Am 27. September 1909 als Sohn eines Kaufmanns im westfälischen Hamm geboren, erhielt Arthur Schloßberg als Kind Instrumentalunterricht an Klavier, Orgel und Viola und sang in verschiedenen Chören. Nach dem Abitur in Mannheim studierte er Romanistik, Philosophie und Volkswirtschaft an der Universität Heidelberg, wandte sich dann aber dem Studium der Musikwissenschaft zu, das er im April 1932 mit einer Promotion bei Heinrich Besseler abschloss. Am 1. September trat er eine Stelle als Korrepetitor am Hessischen Landestheater Darmstadt an, wo er bald zum Assistenten des Generalmusikdirektors Hans Schmidt-Isserstedt avancierte.
Die nationalsozialistische Machtübernahme beendete seine Karriere in Deutschland, denn Arthur Schloßberg war Jude. Uniformierte SA-Mitglieder zwangen ihn während einer Aufführung, das Haus zu verlassen. Im März 1933 folgte dann die Kündigung.
Schloßberg erkannte, dass es für ihn in Deutschland keine Zukunft gab und verließ im Mai 1933 Deutschland. Während seine Familienangehörigen nach Palästina flohen, ging er nach Paris, änderte seinen Namen in Jean Berger und nahm 1935 die französische Staatsbürgerschaft an. Musikalisch betätigte er sich als Konzertpianist, Liedbegleiter und Chorleiter und erzielte erste Erfolge als Komponist.
Im Mai 1939 verließ Berger Frankreich und emigrierte nach Brasilien. Er wirkte als Dirigierassistent am Teatro Municipal in Rio de Janeiro, unterrichtete am dortigen Konservatorium und unternahm Konzertreisen auf beiden amerikanischen Kontinenten. Nach einer Konzertreise in die USA plante der Musiker, dort seine Karriere fortzusetzen. 1941 siedelte er nach New York über, wo er jedoch im darauffolgenden Jahr zur US-Armee eingezogen wurde. Dort arbeitete er beim Office of War Information und komponierte für Rundfunksendungen wie für die Bühnenprogramme der Truppenbetreuung. 1943 nahm er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an, 1944 heiratete er die aus New York stammende Tänzerin und Tanzpädagogin Rita Holzer. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor.
Nach Kriegsende wirkte Berger zunächst als Chordirigent der Sender NBC und CBS, wandte sich dann aber der akademischen Lehre und Forschung wie dem Komponieren zu: In den folgenden Jahrzehnten lehrte er an verschiedenen Colleges und Universitäten, darunter das Middlebury College in Vermont, die School of Music der University of Illinois und das College of Music der University of Colorado. Zudem publizierte er zu musikwissenschaftlichen Themen.
Besondere Wirkung entfaltete Berger indes als Komponist. Neben zahlreichen Werken unterschiedlicher Gattungen und Instrumentierungen stand insbesondere die Chormusik im Mittelpunkt seines Schaffens. Er komponierte mehrere hundert Chorwerke, die fortan für viele Jahre zum festen Repertoire europäischer und amerikanischer Chöre gehörten und ihm internationale Erfolge und zahlreiche Ehrungen einbrachten. Am 28. Mai 2002 ist Jean Berger, geb. Arthur Schloßberg, in Aurora, Colorado gestorben.
1909 Hamm
2002 Aurora, Colorado