Am 5. September 1882 wurde Arthur Chitz als Sohn eines Fabrikbesitzers in Prag geboren. In einer katholischen Klosterschule erhielt er eine erste Ausbildung im Instrumentalspiel und im Kompositionsfach. Nach dem Studium in Prag, Leipzig und Wien promovierte er 1905 mit einer musikhistorischen Arbeit und arbeitete anschließend in Prag als Geiger im Orchester des Deutschen Theaters, als Komponist und als Mitarbeiter einer deutschsprachigen Tageszeitung.
1908 kam Arthur Chitz nach Dresden und bezog mit seiner Familie eine Wohnung in der Helmholtzstraße 3b. Er studierte zunächst Chemie an der Technischen Universität, publizierte aber weiterhin zu musikwissenschaftliche Themen. Auch als praktischer Musiker machte er sich einen Namen: Er trat als Konzertpianist auf und war Klavierbegleiter zahlreicher bekannter Sängerinnen und Sänger, etwa der schwedischen Opernsängerin Sigrid Arnoldson, die er auf ihren internationalen Tourneen begleitete. In Dresden arbeitete er als Dozent für Geschichte und Theorie in einem privaten Musikinstitut.
1915/16 wurde er als Korrepetitor an das Dresdner Schauspielhaus engagiert, wo er bereits 1919/20 zum musikalischen Leiter der Bühnenmusik und 1921 zum Musikdirektor des Staatsschauspiels aufstieg. In den folgenden Jahren dirigierte er die meisten Schauspielaufführungen und komponierte eine große Zahl an Bühnenmusiken: Seine Kompositionen begleiteten unter anderem Aufführungen von Wilhelm Tell, Troilus und Cressida, Der Kaufmann von Venedig, Julius Cäsar, Die Jungfrau von Orléans und Die lustigen Weiber von Windsor. Auch für die erfolgreichen Weihnachtsmärchen Jakob fliegt ins Zauberland und Trill Trall und seine Brüder hatte Chitz die Musik komponiert. Neben dieser umfangreichen Tätigkeit am Schauspielhaus lehrte Chitz bis mindestens 1932 als Dozent an der Orchesterschule der Sächsischen Staatskapelle.
Die Karriere des überaus aktiven und im Dresdner Kulturleben fest verankerten Künstlers wurde durch die Machtübernahme der NSDAP 1933 jäh beendet: Als Jude wurde Arthur Chitz zum 1. Januar 1934 zwangspensioniert und aus der Öffentlichkeit verbannt. Er ging nicht ins Exil, sondern blieb in Dresden, wo er schutzlos der zunehmenden Entrechtung und Verfolgung ausgesetzt war: Nach der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 wurde er als „Aktionsjude“ festgenommen und vom 10. November bis zum 17. Dezember 1938 im KZ Buchenwald inhaftiert. Auch nach dieser Gewalterfahrung blieben Arthur Chitz und seine Ehefrau in Dresden, während die gemeinsamen Kinder 1938/39 ins Exil in die USA flohen.
Als die Dresdner Juden 1940 gezwungen wurden, in „Judenhäuser“ zu ziehen, räumte auch das Ehepaar Chitz seine Wohnung und musste fortan unter ärmlichen Umständen in dem für alte Juden vorgesehen Haus am Lothringer Weg 2 leben. In der Nacht vom 20. auf den 21. Januar 1942 wurden beide vom Neustädter Bahnhof mit einem Transport von insgesamt 224 Dresdner und 561 Leipziger Juden ins Ghetto von Riga deportiert. Möglicherweise kam Arthur Chitz bereits dort ums Leben, eventuell wurde er aber auch weiter in das nahegelegene KZ Kaiserwald verschleppt, wo er zu einem ungeklärten Zeitpunkt starb. Auch seine Frau Gertrud Helene überlebte die Haft nicht: Sie starb entweder in Riga, oder, nachdem sie von dort abtransportiert worden war, auf einem Fußmarsch nach Dresden.
1882 Prag
1942 Riga (Ghetto)