Alexander Kipnis wurde am 1. Februar 1891 im ukrainischen Schytomyr geboren, das damals zum russischen Zarenreich gehörte. Er wuchs in einer armen Familie auf und musste schon früh zu deren Unterhalt beitragen. Ein Kantor begeisterte sich für die Sopranstimme des Knaben und bildete ihn aus. In Polen fand er daraufhin eine Anstellung an einer Synagoge und erweiterte seine musikalische Ausbildung am Warschauer Konservatorium, an dem er als Militärkapellmeister abschloss. Um nicht in die russische Armee einberufen zu werden, ging Kipnis nach Berlin, wo er erneut als Synagogensänger arbeitete und damit ein Gesangsstudium, unter anderem bei Ernst Grenzebach, finanzierte.
Nach Beginn des Ersten Weltkriegs zunächst als „feindlicher Ausländer“ interniert, erhielt er 1915 ein Engagement ans Hamburger Stadttheater, das zum Beginn einer außergewöhnlich erfolgreichen Karriere wurde: Ab 1917 gehörte er zum Hoftheater in Wiesbaden und erarbeitete sich den größten Teil der Mozart- und Wagnerpartien, für die er berühmt werden sollte. 1919 wechselte er an das Deutsche Opernhaus in Berlin – die spätere Städtische Oper – und begann 1923 eine internationale Karriere: Er sang an der Oper von Chicago und feierte Erfolge in New York und London sowie ab 1927 bei den Bayreuther Festspielen. Ab 1932 gehörte er zum Ensemble der Berliner Staatsoper.
Die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 bedeutete das Ende von Alexander Kipnis’ Karriere in Deutschland. Zwar musste er seinen Vertrag mit der Berliner Staatsoper noch erfüllen, die ihn wegen seiner Prominenz erst 1935 freigab. Doch er engagierte sich demonstrativ im Jüdischen Kulturbund und kehrte 1935 Deutschland den Rücken: Bis 1938 in Wien, verließ er nach der Annexion Österreichs im März 1938 Europa und emigrierte in die USA, deren Staatsbürger er bereits 1931 geworden war. Bis 1946 gehörte er zu den Stars der New Yorker Metropolitan Opera, bevor er sich von der Bühne zurückzog und zu einem gefragten Gesangslehrer am New York College of Music und an der Julliard School wurde.
Am 14. Mai 1978 ist Alexander Kipnis in Westport, Connecticut, gestorben.
1891 Schytomyr
1978 Westport