Albert Klinge wurde am 26. Januar 1872 in Hornburg bei Magdeburg als Sohn eines Webermeisters geboren. Seit 1891 spielte der Kontrabassist im Staatsorchester Braunschweig, übernahm aber auch Aushilfsdienste im dortigen Hoftheater. 1894 wechselte er in das Orchester des Hessischen Landestheaters Darmstadt, dem er 39 Jahre lang angehörte. 1915 zum Kammermusiker ernannt, wurde er 1916 zum Militär eingezogen und nahm bis 1918 am Ersten Weltkrieg teil. Nach Kriegsende kehrte er an seine Darmstädter Wirkungsstätte zurück, 1925 spielte er zudem im Orchester der Bayreuther Festspiele.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme forderte das Hessische Kultusministerium Klinge am 21. Juni 1933 dazu auf, sich aus nationalem Opfersinn pensionieren zu lassen. Solche Zwangspensionierungen sollten die praktizierte Volksgemeinschaft demonstrieren, waren aber vor allem ein Mittel, Platz für jüngere, nach Möglichkeit nationalsozialistische Musiker zu schaffen. Die Leitung des Hessischen Landestheaters selbst bemerkte in einem Schreiben an die zuständige Rentenversicherung, es handele sich „nicht um ein Ausscheiden aus dem Dienst, wie es sonst üblich ist. Herr Klinge ist vielmehr auf Veranlassung der Landesregierung wie noch viele andere Beamte aus nationalem Opfersinn in den Ruhestand getreten. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, dann hätte er bis zur Vollendung seines 65. Lebensjahres seinen Dienst versehen.“
Wie der Musiker die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg überlebte, ist bislang ungeklärt. 1947 ist Albert Klinge in Darmstadt gestorben.
1872 Hornburg
1947 Darmstadt